Alle Türen stehen Dir offen!

Als ich noch jung war, sagten meine Eltern immer zu mir: >>Bub, du hast doch so viele Fähigkeiten, so viel Potenzial! Mach doch mal was draus! Du kannst alles werden! Alles was du willst!<<

Irgendwann sah ich das ein. Sie hatten recht und ich nahm mir ihre Worte zu Herzen. Und wirklich, die Welt schien mir mit jeder ihrer Stimmen zuzurufen: >>Du kannst alles schaffen! Alle Türen stehen Dir offen!<< Ich hörte es jetzt allerorts, in jeder Werbung, in jedem Gespräch, in jedem Blatt und in jeder Fee. Sogar mein großes Idol Til Schweiger war ein Eingeweihter in diesem großen lebensbejahenden Geheimnis, das doch für jeden da ist: >>Wenn man sich etwas wirklich wünscht, wenn man ganz feste daran glaubt, dass es in Erfüllung geht, dann passiert es auch!<<

Die Wege standen mir also frei, alle Türen waren offen: Ich musste nur noch hindurchtreten. Mit einer ordentlichen Ausbildung, einem guten Studium, einer gehörigen Portion Mut und Selbstdisziplin konnte ich beruflich alles schaffen und noch viel mehr! So zog ich aus, etwas aus mir zu machen.

Ich legte mich gehörig ins Zeug und promovierte in Kommunikationswissenschaften mit „summa cum laude“. Ich erhielt ein unbezahltes Praktikum bei Primark.

Ich gab allerdings nicht auf und versuchte es einfach weiter. Dieses Mal als Chemiker. Die molekulare Ebene wurde zu meinem neuen Zuhause. Die großen Pharmakonzerne würden mir nun die Bude einrennen und ich konnte das Allheilmittel entwickeln! Weiterlesen

Albenschreiben 16 – Devin Townsend und Ché Aimee Dorval: Casualties of Cool

Ich stelle den Empfänger ein und trete in Verbindung zu allem Vergangenen. Frequenzen schweben durch den Äther. Sie sind nicht zu fangen, nicht festzuhalten. Alles Gewicht fällt von mir ab und ich werde schwerelos. Oder sinke ich zum tiefsten Grund ? Sind meine Beine in Beton gegossen? Das Licht kommt von allen Seiten, doch ein Oben ist nicht auszumachen. Hier werden keine Richtungen und Beschreibungen gebraucht. Eine Stimme flüstert mir zu: >>Halte ein, gib dich hin, hör einfach auf<<. Ich bin niemand, der einen guten Ratschlag ablehnt.

Insekten, Vögel, Fische und Würmer. Alles gute Leute. Aber immer im Kreis. Die sollten ihren langweiligen immer gleichen Zirkel durchbrechen. Der Gesang der Engel hört schon nicht auf, er wird nur leiser. Die Erinnerung wird nicht vollends verschwinden, nur verblassen. Im Notfall hilft eine Zellauffrischungskur. Die Wüste ist nur die Abwesenheit des Meeres. Sonst bleibt alles beim Alten und schließlich gibt es Weiterlesen

Bin im Theater gewesen. Habe gelacht.

„Helmut Kohl läuft durch Bonn“ kann natürlich seine Uraufführung nur in Bonn haben. Das erstaunliche Medienecho erklärte sich aber vermutlich auch dadurch, dass das Autorenduo Jakob Nolte und Michel Decar zum ersten Mal eine Uraufführung hatte. Die FAZ hat es gehasst, die nachtkritik aber auch WDR2 waren wohlwollend. Soweit so klar.

Bonn Corleone, Der Bomber von Oggersheim, Citizen Kohl

Klassisches Erzähltheater bei Helmut Kohl zu erwarten ist wohl so absurd wie es klingt. Postmodern das ganze Unterfangen zu nennen, ist vermutlich näher dran an einer Beschreibung, aber klar ist damit natürlich auch wenig. Schon wie das Stück im Untertitel heißt ist nicht so einfach zu beantworten. Es sind wohl weit über 200. Die allein schon zu lesen/hören ist ein Knaller für sich. Weiterlesen

Scheiße im Zug ganz hinten

Vielleicht ist es ganz hilfreich die Modelle „Regionalexpress“ der Deutschen Bahn zu kennen, wenn man das Folgende adäquat nachfühlen will. Aber wenn ich es mir recht überlege, will man das vielleicht auch gar nicht. Naja was solls.

Ich fahre häufig in Rhein und Ruhr mit Regionalexpressen, die aussehen wie verkappte Doppeldeckerbusse. Zumindest wurden sie mit roter Spachtelmasse notdürftig hingezimmert. Der Hersteller ist allen ernstes ein Sportsfreund namens „Bombardier“. Was für ein geiler Imperativ.
Wie dem auch sei, sitze ich häufig ganz hinten bzw. vorne im „Fahrradabteil“. Zu Stoßzeiten geht es da auch gerne mal wie bei einem bangladesischen Metallhandel zu. Debattiert wird in der Hocke, auf Knien, zwischen Fahrrädern und alle riechen Streng nach „Oma unterm Arm“.
Der absolute Fruchtzwerg des Wahnsinns ist jedoch ein circa 3×3 Meter großer Raum, der zuweilen ziemlich uninspiriert dort rumsteht und dem zusätzlich ein völliges Versagen jeglichem psychologischen Feingefühls anhaftet. Weiterlesen

Albenschreiben 15 – Control Denied: The Fragile Art of Existence

Wenn man für etwas bezahlt, dann sollte man es auch nutzen. Aber wieso versteckst du dich? War ich nicht gut zu dir? Nein, du hast Recht. Es gab da gewisse Probleme. Manches lässt sich nicht überbrücken. Das Kabel fehlt. Die Tränen schmecken heute nicht. Traurig was du über mich denkst. Dein Blick hält mich gefangen. Ich traue mich nicht wegzuschauen. Es könnte alles verloren gehen.

Zwang. Ein Werkzeug. Wir müssen damit arbeiten ob wir wollen oder nicht. Für diese Entscheidung muss ich blechen. Oder es verjährt. Eine stufenlose Skala. Die „Zone“ ist heute verschlossen. Sie haben zuwenig Punkte ergrindet. Ihr Status verfällt. Versuchen sie es doch nächsten Monat noch einmal. Ich setze alles auf die Null. Die Bank muss lachen. Ich starre dich an.

Wenn ich gewinne, verteile ich das Pech nur auf die Anderen. Das ist Glück. Meins ist gerade verbraucht. Weiterlesen