Albenschreiben 16 – Devin Townsend und Ché Aimee Dorval: Casualties of Cool

Ich stelle den Empfänger ein und trete in Verbindung zu allem Vergangenen. Frequenzen schweben durch den Äther. Sie sind nicht zu fangen, nicht festzuhalten. Alles Gewicht fällt von mir ab und ich werde schwerelos. Oder sinke ich zum tiefsten Grund ? Sind meine Beine in Beton gegossen? Das Licht kommt von allen Seiten, doch ein Oben ist nicht auszumachen. Hier werden keine Richtungen und Beschreibungen gebraucht. Eine Stimme flüstert mir zu: >>Halte ein, gib dich hin, hör einfach auf<<. Ich bin niemand, der einen guten Ratschlag ablehnt.

Insekten, Vögel, Fische und Würmer. Alles gute Leute. Aber immer im Kreis. Die sollten ihren langweiligen immer gleichen Zirkel durchbrechen. Der Gesang der Engel hört schon nicht auf, er wird nur leiser. Die Erinnerung wird nicht vollends verschwinden, nur verblassen. Im Notfall hilft eine Zellauffrischungskur. Die Wüste ist nur die Abwesenheit des Meeres. Sonst bleibt alles beim Alten und schließlich gibt es dort auch Whiskey und lange Schatten. Verfolgen sie mich? Einerlei, ich habe einen Revolver in der rechten und einen Laser in der linken Hand. Die Nacht ist finster und kalt, doch dieser Rhythmus treibt mich weiter voran. Er ist immer da, er umfasst mich und lässt mir trotzdem genügend Raum. Ich muss nur noch die Berge erreichen. Auch sie rufen mich. Ich kann nicht mehr antworten, nur weitergehen.

Das Beängstigende liegt unter der Oberfläche. Andeutungen, Huschen, Ahnung. Die Zeit verläuft vollkommen anders. Nicht zu schnell oder langsam, einfach nur anders. Hinter der einnehmenden Schönheit der Landschaft liegt ein finsteres und tiefes Grauen. Sie ist nicht für uns Menschen gemacht. Egal wie gut es läuft, es kann immer anfangen zu regnen. Die Landschaft weiß, dass ich mich fürchte, aber ich hab Bock drauf: Morgen ist Halloween. Entweder gibt sie mir jetzt etwas Süßes oder ich spiele ihr einen Streich. Darauf war sie nicht gefasst und lässt mich passieren. Eine Looser-Landschaft.

Ich betrete den Dschungel. Den Takt diktieren nun  die  Kriegstrommeln der Urwaldwesen. Können sie meine Anwesenheit spüren? Sie kommen jedenfalls immer näher. Ich muss Deckung suchen. Ich schalte hin und her, versuche den Sender zu wechseln, aber es hilft nichts: Das Kondenswasser läuft in Strömen die Fenster hinunter, Lianen legen sich um meinen Hals und Giftpfeile schlagen in meinen Oberkörper. Nur noch diese Trommeln. Alles verklingt. Der Regen ist da. Wo war ich? Zu tief. Die Räder drehen sich weiter. Zerbrochen, aber nicht kaputt. Die Scherben bilden ein neues Ganzes. Schon immer. Ich muss es jetzt einsehen.

Ich habe mich zu weit vorgewagt. Es war ein Tanz. Seine Knochen schütteln. Nah zusammenhalten. Eine Drehung. Den Partner wechseln. Alles geben. Das Innerste in Flammen. Ausgebrannt. Die Energie nutzen. Treibstoff für Triebe. Virtuos umspielen und auflösen. Zwanglos, jedoch vorbestimmt. Ein Turnaround. Verdammt, es geht schon wieder los. Immer diese Schema, immer dieser Blues. Auch der Wind kennt keine Antworten, er macht nur sein Ding und weht weiter über die offenen Felder. Mit sich bringt er düstere Wolken und reitende Gerippe. Ich werde von nun an mit ihnen ziehen. Wir verdunkeln den Mond.

 

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