Scheiße im Zug ganz hinten

Vielleicht ist es ganz hilfreich die Modelle „Regionalexpress“ der Deutschen Bahn zu kennen, wenn man das Folgende adäquat nachfühlen will. Aber wenn ich es mir recht überlege, will man das vielleicht auch gar nicht. Naja was solls.

Ich fahre häufig in Rhein und Ruhr mit Regionalexpressen, die aussehen wie verkappte Doppeldeckerbusse. Zumindest wurden sie mit roter Spachtelmasse notdürftig hingezimmert. Der Hersteller ist allen ernstes ein Sportsfreund namens „Bombardier“. Was für ein geiler Imperativ.
Wie dem auch sei, sitze ich häufig ganz hinten bzw. vorne im „Fahrradabteil“. Zu Stoßzeiten geht es da auch gerne mal wie bei einem bangladesischen Metallhandel zu. Debattiert wird in der Hocke, auf Knien, zwischen Fahrrädern und alle riechen Streng nach „Oma unterm Arm“.
Der absolute Fruchtzwerg des Wahnsinns ist jedoch ein circa 3×3 Meter großer Raum, der zuweilen ziemlich uninspiriert dort rumsteht und dem zusätzlich ein völliges Versagen jeglichem psychologischen Feingefühls anhaftet.
Es ist natürlich die verdammte Toilette, genaugenommen das Behinderten-WC.
Wenn man als unbeteiligter Beobachter die Eskapaden des Klos mit den Bahnkunden sieht, dann scheint das Klosett schon eine ganz schön hinterfotzige Ratte zu sein. Lassen sie mich dazu folgendes Szenario wiedergeben:
Person kommt häufig mit Pinkelnot im Gesicht zur WC-Kabine und wollen diese meist öffnen. Personen über 50 Jahre rütteln erstmal standesgemäß einfach so am Griff und wundern sich, dass die Tür sich nicht öffnen lässt. Rütteln schien in den 70er eine bewährtes Mittel zur Problembewältigung gewesen zu sein. Äußere Türelektronik ist meistens dennoch das geringste Problem. Tür öffnet sich mit einem Druckluft-Mechanismus beim Drücken des entsprechenden Knöpfchens. Die zu pinkelnde Person übertritt die Schwelle und macht eine Drehung, um wieder das Schließen der Tür zu erwirken. Aus zwei Gründen wollen 100% der Pinkel-Probanden die Tür wieder am Griff von der Innenseite verriegeln. Grund 1: Man kommt wie ich aus einer Vorstadt, die nur mit S-Bahnen verbunden ist, bei denen die WC-Prozesse genauso ablaufen: Tür wird am Griff, geöffnet, geschlossen und verriegelt. Grund 2 ist, dass es verdammt nochmal seit Jahrtausenden die immer gleiche Logik ist, dass Türen sich auch immer da schließen lassen, wo man sie öffnen kann! Nach peinlichen Suchsekunden rütteln mittlerweile Personen aller Altersklassen einfach so am Griff, um die Tür zuzukriegen. Vergebens.
Denn der Deutschen Bahn ist scheinbar kein Mittel zu billig die Zuggäste während der vielen Verspätung zu beschäftigen. Denn verschließen lässt sich die Tür nur an den inneren Wand, von mir als Beobachter aus links gesehen. Interessant ist auch das Verhalten der bereits eingesessenen Fahrgäste im Fahrradabteil. Spätestens nach dem zweiten Toielletengast hat auch der letzt Idiot verstanden, wie diese verdammte Toilette zu bedienen ist. Stumm und mit einer gewissen Fremdscham wird aber das immer gleiche Scheitern der Pinkelopfer beobachtet.
Hat der zu Pinkelnde nun diese neue Konsole in Augenschein genommen, bietet sich ihm eine dreigliedrige Controlling-Armatur. Tür-auf, Tür-zu und verschließen. Warum es schon wiederholt vorkam, dass nach bereits geschlossener Tür, das Herzblatt wieder aufging und erneut überforderte Pisser zeigte, konnte von mir auch noch nicht genau ermittelt werden. So schwer ist es dann doch nicht – vorausgesetzt man hat die Armatur erstmal gefunden.
Auf dem Pott selber hat man rechts von sich ebenfalls wieder zwei Knöpfe zur Auswahl. Einer rot, einer schwarz. Beide von der Machart Schleudersitz. Gerade zu einladend kräftig draufzuhauen. Aber verbreitet gerade auch deswegen die Angst ihn zu betätigen. Nicht das gleich noch was schlimmes passiert, nachdem man sich schon gründlich blamiert hat. Selten verursachen stille Örtchen, so viel Stress wie hier. Um ehrlich zu sein, habe ich mitlerweile schon vergessen welcher Knopf für die Spülung zuständig ist. Lag vermutlich daran, dass ich vor Koblenz mit meinem Scheisshaus rausgeschleudert wurde – es muss also der andere sein.

Es sagt viel über die Deutsche Bahn aus, die solche Toiletten tatsächlich bauen lässt. Es sagt aber auch einiges über Pendler im Fahrradabteil aus: Alltags-Sadisten haben vielleicht nur Sadisten-Infrastruktur verdient. Wir haben also quasi die Deutsche Bahn mit ihrem Wahnsinn erst erschaffen! In dem Sinne also: Bombardier!

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