Albenschreiben 9 – Rummelsnuff: Halt durch!

Es kann kein leichtes Unterfangen werden. Ein bisschen Widerstand muss sein. Ich möchte mich daran reiben und abarbeiten. Unter Männern. Kein Problem! Das ist schon alles in Ordnung so. Leite mich durch die finstre Nacht mein starker Kapitän. Das Eis bricht, die Fahrt geht weiter. Im Notfall schnallen wir uns an den Mast. Wir sind füreinander da. Wir atmen schwer. Der Puls schnellt hoch. Der Gesang der Sirenen kann uns nicht mehr erreichen. Unsere Ohren sind verschlossen. Wir haben iPods auf Täsch.

Wir sind ausgezogen für Ruhm und Ehre. Der Kampf schweißt uns zusammen. Die Nacht ist kalt und scheint kein Ende zu kennen. Seemannsbromantik. Wir teilen Speis und Trank und ziehen weiter. Von Kaschemme zu Kaschemme. Doch noch können wir nicht rasten. Eher rasten wir aus. Wir müssen uns gegenseitig etwas beweisen. Und erst recht den Anderen. Wir sind Eisenkumpel (no homo). Alle sonst sind Mongos. Das müssten sie eigentlich einsehen.

Es sind Bäche von Rum geflossen. Ambrosia wurde geraucht. Wir torkeln nicht. Wir waren nur zu lang auf See. Wir können noch bestens reden. Die Leute hören bloß schlecht. Wir sehen gut aus. Die Leute haben keinen Blick fürs Schöne. Unsere Ästhetik bleibt ihnen verborgen. Wir sind der Schatten der die Nacht durchflattert. Pflaumenbrand aus Bruderland. Und in jeder Stadt ein Kind. In jeder Kneipe Hausverbot. Wir suchen nicht, wir finden. Und wenn es nur Streit ist. Genug ist genug. Das Meer aus Straßen erbebt. Es ist Land in Sicht.

Manchmal geht einer verloren. Vollnarkose. Abgekackt. Wir heben das Glas: „To the Lost!“. Vom Grund der See kam niemand mehr zurück. Wir ehren sein Gedenken in Liedern und erzählen Geschichten seiner längst vergangenen aber unvergessenen Heldentaten. Vielleicht ist manches ja wirklich passiert. Geschichten werden wahr, solang man sie nur oft genug erzählt. Vielleicht hört auch jemand zu. Die Hoffnung ist stark. Wir halten durch.

Zur frühsten Morgenstund kann es schon einmal etwas heißer hergehen. Es kassiert halt einer Mal. Doch starke Charaktere können auch verzeihen. Dann wird geschluckt und wieder Kurs aufgenommen. Wir sind keine Monster. Manchmal wird es auch ein bisschen traurig. Wenn wir vom Damals erzählen. Hätte, Wenn und Aber. Die heilige Trinität. Tränen sind kein Grund zur Schande. Ein Mann der weint, ist wie eine Blume die fliegt (Kurt Krömer).

Unsere Heime rufen nach uns. Mäuler wollen gestopft und Frauen mit Schätzen überschüttet werde. Außerdem macht Mutti sich langsam Sorgen. Arm in Arm verschwinden wir mehr als geradlinig im Nebel. Ein Akkordeon aus weiter Ferne. Die Kamera zoomt raus. Unsere Silhouetten sind nicht mehr zu erkennen. Kein Feuerball, kein billiges Happy End. Doch jeder Zuschauer weiß: Die werden ihren Weg schon gehen. Die werden ihr Ziel schon erreichen. Das sind noch richtige Bros. Applaus.

Morgen verkleiden wir uns als Feuerwehrmänner.

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