Albenschreiben 5 – Venetian Snares: My Downfall

Die Aufzeichnung ist zu Ende. Rechtzeitig, nicht überzogen. Er verlässt den Raum über eine lange Treppe. Das Orchester begleitet seinen Niedergang. Sein Bitten wurde nicht erhört. Die Symptome haben sich nur verschlimmert. Nach einer kurzen Zeit des Hoffens, kehrten sie abermals gestärkt zurück. Ein engelhafter Choral erschallt in seinem Kopf. Fanfaren und Streicher, mächtige Timpani. Ein Abgesang. Er denkt an alles, das einst war und befindet: Es gab auch Gutes und Schönes, vielleicht sogar ein wenig Wahres.

Alles Geschaffene liegt in Trümmern aufgeschüttet vor ihm. Es wird nachgetreten. Maximale Härte. Die Übertragung ist unterbrochen. Ein Störsignal. Eindrücke werden zerhackt, gefiltert und wieder neu zusammengesetzt, um dann abermals zerstört zu werden. So war es immer und so bleibt es auch jetzt. Wenigstens ein bisschen Konsonanz in diesem verschlingenden Rauschen. Er gesteht sich seine Fehler ein. Zum allerersten Mal. Und er vergibt auch den Anderen. Er ist mittlerweile zur Milde gestimmt. Genau auf 440 Herz. Ein Kammerflimmern. Doch der Rhythmus kehrt zurück. 5/4 sollten genügen um ihm den Rest zu geben.

Er hat vielleicht nicht ganz den Highscore geknackt, aber er darf sich immerhin in die Bestenliste eintragen. Cheers. Auf gute Freunde. Hätte er das doch schon alles früher erkannt. Vielleicht wäre es anders gekommen. Unsinn. Er ist Fatalist. Er hat keinen Brief geschrieben, keine Botschaft aufgenommen, nichts zurückgelassen. Mag sich jeder nehmen was er will und was ihm zusteht. Es kümmert ihn nicht mehr. Er stützt sich auf seine Krücken und bleibt stehen.

Immer neue Variationen dieses einzelnen Motivs. Die Komposition konnte keinen anderen Verlauf nehmen. Es war bereits in ihr eingeschrieben. Ein Code. Von der ersten Minute an stand alles bereits fest. Auflockernde Zwischenspiele waren gern gesehen aber genauso erwartbar. Belangloses Klimpern. Alles kündete vom drohenden Untergang. Der Schaffende muss unerlässlich schaffen und zerstören. Ein und dasselbe. Es ist alles einprogrammiert. Genetik und so.

Hätte er doch nur mit jeder Faser seines Körpers sagen können, dass er dich liebt. Er konnte nicht.

Ein finales Crescendo. Das Orchester verstummt. Die Instrumente werden weggelegt.

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