Suppen und andere Kasper

Soup.io ist sicherlich alles andere als ein Geheimtipp. Der Vollständigkeit halber sei aber nochmal kurz das Wesentlichste rekapituliert: Es handelt sich dabei um eine einfache Form des Bilder-Blogs bei der jede seine eigene Suppe mit Bildern kochen kann. Man folgt anderen Bilder-Blogs und destilliert nach eigenem Gusto die Best-of-Bilder aus den verschiedenen Blogs zusammen. Selbstverständlich kann man selber auch Bilder bei der Reise durch die Untiefen des Internets auf seinen Blog stellen. (Wobei schon eins der größten Rätsel ist, wer tatsächlich Bilder selber hochlädt…-.-) Im Grunde also eine Konkurrenz-Veranstaltung zu twitpic, Flickr und vor allem tumblr und co. Häufig setzt sich irgendwann einer dieser Dienste durch und die anderen sterben dann nach und nach ab. Soup.io scheint nicht unbedingt derjenige zu sein, der sich durchsetzen wird. Umso wichtiger dieses vielleicht seltene Internet-Relikt entsprechend zu würdigen; und zu haten!

Wie schon angedeutet sind den Bildern thematisch keine Grenzen gesetzt: Design, Subversives, Kunst, Comic, Internert-Nerd-Pics, Witziges und ja man muss auch sagen, einiges an Brüsten.
Aber die Themenvielfalt der Bilder ist auch gerade eine Qualität dieses Angebots. Trotz der vermeintlichen Multimedialität des Internets ist es im alltäglichen Umgang doch häufig sehr textlastig. Da ist es eine nicht uninteresannte Abwechslungen mal Bilder zu lesen. Man liest aber nicht nur die Bilder, sondern auch zwangsläufig die Personen heraus, die die Bilder zusammenstellen.

Es ist bemerkenswert, wie man geneigt ist Leute danach zu charakterisieren je nach dem was für Bilder sie auswählen. Grundsätzlich soll die Auswahl der Bilder auch ein virtuelles Ich erzeugen, dass natürlich auch viel mit Übertreibung und Wunschvorstellung arbeitet. Damit ist es im Grunde ein ähnliches agieren wie bspw. bei Facebook – nur mit Bildspache. Während man bei Facebook aber alle sozialen Schichten findet, ist es bei soup.io bisher vor allem ein junges (bis sehr junges) Publikum mit Hang zu nerdigem, politisch eher linksorientiert und vor allem mit einem altklugen „Ich-weiß-wie-es-läuft“-Gestus. Viele glauben somit fernab des Mainstreams zu sein, was natürlich, wie wir alle wissen, quatsch ist.

Besonders augenscheinlich wird dies bei vermeintlich linksliberalen „guten“ Themen. So ist die Empörung über Homophobie ein so alter Hut, dass man sich schon wundert, dass man solche Bilder tatsächlich noch für diskussionswürdig hält oder gar anstößig finden kann. Positiv könnte man es vielleicht so auslegen, dass sich durch diese Bilder Jugendliche in ihrer eigenen politischen Position manifestieren wollen. Aber ernsthaft einen anregenden Kommentar damit verfassen zu wollen, ist doch reichlich abwegig.

Die Widersprüchlichkeit von vielen Suppen zeigt sich auch häufig in aller Art begehrenswerten Dingen. Besonders Torten, Früchte und am besten noch Schokoladen-Erdbeeren sind doch sehr fragwürdige Beiträge. Denn Erstens hilft dieses Bild genauso wenig wie dem Durstigen ein Bild von einem Glas Wasser und Zweitens mag das zwar eine schöne Reminiszenz an Genuss sein, aber mit welcher penetranten Aufdringlichkeit das Bild in mir Gefühle hervorrufen will, lässt mir zumindest nur noch den Appetit vergehen.

Warum ich trotz alle dem noch gerne meine eignen Suppen koche? Bei aller Kritik die ich hier vortrage, hängt vieles ganz einfach auch von der eignen Sichtweise ab. Das Zauberwort ist dabei: „Unernst“ – Sowohl als Betrachter und Bilder-Zusammensteller.
Denn es gibt NICHT die User, die die wahren, coolen Bilder posten, ganz vorne natürlich die eigene Seite. Das ist nur die alte „Du-machst-es-falsch-und-ich-mach-es-richtig-Schiene“, die im Internet viele fahren.
Denn hier und auch im restlichen sozialen Internet gilt Omas Spruch: Wer glaubt im Internet etwas wichtiges sagen zu haben, der guckt auch Kinofilme auf dem Handy.
Ein toleranter und unverkrampft zusammengestellter Bilderblog bringt dann auch das was soup.io bringen soll: angenehme Zerstreuung in einer visuellen Sprache, bei Bedarf auch gerne Anregend.

Aber auch als Betrachter kann man eine solche Haltung einnehmen. Wenn man anderen Bilderbloggern zu großen Eifer unterstellt ist man schon selber wohl mit zu ernsthaftem Eifer bei der Sache. Deshalb lohnt es sich auch einem unterdurchschnittlichen User zu folgen, wenn er alle 200 Bilder ein absolutes Knaller-Bild postet.

Sicherlich ist das posten von Desgineruhren auch ein stumpfes Befriedigen von Begehren, aber so eignet sich solch ein Post zumindest eher noch um die Kreativität einer Idee zu würdigen als eine Schokoerdbeere.
Und letztlich, wie wir alle Wissen, sind wir ja von unseren Dingen längst versklavt, genau wie von den Medien, der sozialen Herkunft, der bösen Gesellschaft im Allgemeinen usw. Doch wie sagte schon Camus sinngemäß: Trotzdem sind wir glücklich. Soup.io hilft bei diesem Glücklich-Sein erheblich – Oder auch nicht.
Für einen kleine Einstieg sorgen: maschinenschrott.soup.io und meine persönliche Seite alacienputa.soup.io

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.