Hörspieltipp: Professor van Dusen

In diesem Post möchte ich gerne auf eine heutzutage vielleicht etwas unbekanntere Kriminalhörspielreihe hinweisen, die mich nun schon lange begeistert und begleitet: Professor van Dusen.

Diese Serie entstammt der Feder des wunderbaren Michael Koser und wurde von 1978 – 1999 produziert. Zuerst vom RIAS Berlin und später dann vom DeutschlandRadio Berlin. Sie umfasst beachtliche 77 Folgen.

Zur groben Story

Das Hörspiel folgt den Abenteuern und Fällen von Professor Dr. Dr. Dr. van Dusen, dem ebenso bedeutenden wie genialen Wissenschaftler und Amateurkriminologen. Begleitet wird er von seinem naiven aber trotzdem recht brauchbaren Begleiter und Chronisten, dem Reporter Hutchinson Hatch. Nachdem die beiden etliche vertrackte Verbrechen in und um New York aufklären konnten, begeben sie sich auf eine ausgedehnte Weltreise. Der Professor um an seiner Forschungsarbeit, der „atomaren Strukturtheorie der Elemente“, zu arbeiten, Hatch, um Artikel für seine Zeitung, dem Daily New Yorker, zu schreiben. Auf dieser Reise, wie sollte es auch anders sein, bekommen sie es jedoch ständig mit hochkomplizierten und interessanten kriminologischen Problemen zu tun. Man könnte sagen, Van Dusen ist das „Die drei ???“ für Erwachsene. Allerdings dürfen Leute hier auch endlich mal ermordet werden oder kleineren erotischen Abenteuern nachgehen.

Das Besondere

Prägend für die Serie ist ihr spezielles Setting. Sie spielt zur Zeit der Jahrhundertwende, nämlich zwischen den Jahren 1898 und 1906. Eine spannende Zeit für Kultur und Wissenschaft. Natürlich ist im Van-Dusen-Universum der Professor für die Hälfte aller epochalen Erfindungen und Neuerungen verantwortlich. Auf Grund der detaillierten historischen Kenntnisse, die Michael Koser in das Hörspiel mit einfließen hat lassen,  fühlt sich diese Welt lebendig und authentisch an.

Außerdem punktet das Hörspiel durch seinen feinen Wortwitz, kuriose Slapstick-Passagen, die immer wieder eingestreute Running-Gags  und komischen Anspielungen auf reale Ereignisse und Personen. So begegnet der Professor unter anderem: Buffallo Bill, dem Dalai Lama, Thomas Edison, Mata Hari, Harry Houdini, Marcel Proust, Theodore Roosevelt, Jules Verne, Edgar Wallace und Émile Zola.

Die Fälle

Kerngeschäft einer jeden Krimireihe ist ganz klar das Aufklären von Verbrechen und schwierigen Fällen. Und das kann Professor van Dusen wie kein Zweiter. Das weiß auch die Polizei in aller Welt und wendet sich flehend an ihn, wenn sie vor Rätseln steht, die ihre kognitiven Fähigkeiten grenzenlos übersteigt. Van Dusen enträtselt den Mord bei Gaslicht, bei dem ein Mann in einem hermetisch abgeriegelten Zimmer dennoch fast umgebracht wird. Er stellt einen mordlustigen Irren, der bei einer inszenierten Mord-und-Dinner Theatervorstellung die Grenzen zwischen Realität und Spiel blutrot verschwimmen lässt. Er entlarvt das Phantom der Oper und den Killer bei ‚Madame Tussaud. Er findet die verschollene Unze Radium und das Gedächtnis eines Mannes, der seins verloren hat. Er fasst den „Vampir“ von Brooklyn und den verrückten Zirkusmörder. Zum Schluss der Serie löst er auch noch „Van Dusen größten Fall“.

Allerdings bekommt es der Professor nicht nur mit reinen Verbrechen zu tun. Er muss es auch noch mit anderen denklastigen Problemen aufnehmen: Wie soll er  aus dem sichersten Gefängnis der Welt entkommen? Oder sich in einer Alice-im-Wunderland-ähnlichen Welt zurecht finden? Gibt es das perfekte Verbrechen oder den Mord ohne Grund? Manche Geschichten drehen sich auch nur um abenteuerliche Reiseerlebnisse, bei denen das kriminologische Element in den Hintergrund rückt und die Action, zum Bedauern des Professors, das Geschehen an sich reißt.

Sprecher

Neben der packenden Story und den spannenden Fällen lebt die Serie von ihren Sprechern: dem Dream-Team Friedrich W. Bauschulte (Professor van Dusen) und Klaus Herm (Hutchinson Hatch). Die beiden verkörpern ihre Rollen perfekt und entwickeln eine unglaubliche Synergie in ihren Dialogen. Allein durch ihre stimmliche Performance erfährt man vieles über das Innenleben der beiden Protagonisten und ihr teilweise doch recht schwieriges aber immer freundschaftliches Verhältnis.

Musik und Produktion

Die soundtechnische Produktion der Serie ist durchgehend hochwertig und gelungen. Einen wichtigen Part, der dabei hilft völlig in die Welt von Professor van Dusen abzutauchen, spielt die Musik. Sie besteht vornehmlich aus klassischen Stücken, die aber immer passend gewählt und durchaus auch von Klassik-Gegner zu genießen sind. Zusätzlich schmunzelt man ein ums andere Mal über einige sehr abstruse Titel, die öfters eingespielt werden, um die momentane geographische Position der Geschichte zu untermalen. Eine fast vollständige Liste aller Folgen und der darin verwendeten Musikstücke gibt es hier.

Ein erhellendes Zitat von Rainer Clute, dem Regisseur der gesamten Serie:

“ Einige der damals in der allerersten Zeit unter großem zeitlichen Stress und in Improvisationslaune produzierten Hörspiele gehören auch heute noch zu meinem Lieblingskrimis, so zum Beispiel Whisky in den Wolken oder Rotes Blut und weißer Käse. Dieses Hörstück war auch der Beginn eines immer wichtiger werdenden Musikanteils. Der in den Schweizer Alpen spielende Krimi war ausschließlich mit Madrigal-Musik angereichert, für die damalige Zeit eine sehr ungewöhnliche Wahl, da die durchschnittliche Krimi-Musik sich eher im Tatort-Genre bediente. „

Schlussbemerkungen

Bis vor wenigen Jahren haben es sich einige engagierte Fans zur Aufgabe gemacht, alle Folgen zu archivieren, zu dokumentieren und frei zugänglich zu machen (mit prominenter Unterstützung von Michael Koser). Völlig zu Recht, da man die bereits produzierten Folgen bisher nirgendwo käuflich erwerben konnte und auch kein Radiosender sie mehr ausstrahlte. Leider gab es natürlich Beef (wie so oft) und deswegen musste die Verbreitung der Serie über das dort residierende Tonarchiv offiziell eingestellt werden.

Seit Mitte 2010 sind nun allerdings die ersten vier Van Dusen Folgen von Highscore Music (mit Hörbeispielen) als CD und Mp3 remastered und wiederveröffentlicht worden. Im Statement von Michael Koser heißt es dazu:

“ Ob nach den ersten 4 weitere Hörspiele erscheinen, ob gar die ganze Reihe, alle 77 Titel, sich nach und nach auf CD präsentieren kann, ist wünschenswert – für mich, für Pobot und, wie ich meine, für die Fans. Aber natürlich können wir nur weitermachen, wenn es sich rechnet, d.h., wenn die ersten 4 Hörspiele Erfolg haben und sich gut verkaufen. Wir haben dafür getan, was in unseren Kräften stand.

Jetzt sind Fans und Hörspiel-Hörer gefragt. Sie entscheiden, ob und wie es weitergeht. Wenn sie das Angebot annehmen, sorgen sie dafür, dass Prof. van Dusen, die Denkmaschine, in Zukunft so weiterlebt, wie er es verdient und wie der Autor es sich wünscht. „

Außerdem werden (man glaubt es kaum) einige ausgewählte Folgen demnächst auch wieder im Radio zu hören sein. Beim „bekannten“ Sender MDR Figaro: Sendetermine. Eine eigene Comicreihe hat der Zeichner Gerd Pircher geschaffen. Diese ist hier erhältlich in einer Print- und in einer iPad-Version.

Kurz gesagt: die Reihe Professor van Dusen ist uneingeschränkt empfehlenswert (wie überhaupt alle Hörspiele und Serien von Michael Koser^^) und sei jedem Hörspiel- und Krimifan ans Herz gelegt. Und wer es gar nicht mehr bis zur (hoffentlichen) Wiederveröffentlichung der 73 anderen Fälle der Denkmaschine abwarten kann: Vielleicht gibt es ja andere Mittel und Wege…

Update: Gerade im offiziellen Forum entdeckt: „Die Vorbereitungen zur Veröffentlichung der zweiten Van Dusen-CD-Staffel ab Herbst sind im vollen Gange – Michael Koser war vor Kurzem in Berlin, um gemeinsam mit Rainer Clute und Klaus Herm mit Sebastian Pobot neue Interviews für das Bonusmaterial aufzunehmen. “

Hurra!

2 Gedanken zu „Hörspieltipp: Professor van Dusen

  1. Eigenartig. Ich kann mein PvD-Sammlung durchzählen wie ich will; ich komme immer auf 79 Folgen (ohne die ‚Shylock-Homes‘-Folge „Zwei Leichen im Orient-Expreß“).

  2. Leider sind die Angaben zu den schönsten und interessantesten Musikstücken nicht dabei. Zum Beispiel „Professor van Dusen auf Hannibals Spuren“, Teil 2, nach Sir Patricks letztem Satz „…da war es zu spät“. Wie kommt man denn mal an die Information?

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